In der Zeit, auf die ich mich beziehe,  wurde Wissen immer nur mündlich weitergegeben. Erst viel später, zur Zeit der christlichen Kirchen, wurde vieles aufgeschrieben, meist verfälscht oder in der Sprache von Gott, Tod und Teufel, Schuld und Sünde.
Die Weisheit der Schamanen war oft in Märchen verpackt, die wir heute noch kennen. Es ist spannend, diese Sprache wieder zu verstehen, zu deuten und zu nutzen.
Mein Anliegen ist, daß sich wieder Menschen zu Kreisen zusammenfinden, alte Geschichten erzählen und neue er-finden, die Kunst und Tradition der Geschichtenerzähler wieder beleben.


Ich habe Märchen und Mythen geschrieben, über das, was ich durch mein Schamanin sein erkannt habe.
Ich lade Dich ein, den Faden weiterzuspinnen.
Kostproben meiner Geschichten-Gespinnste
In der Zeit vor der Zeit, war da nur das große Mysterium und aus dem Gedanken wurde Form, so entstand die Erde mit ihren Gewässern, Winden und Bergen aus Feuer. Mit dem Mysterium kam das erste Licht auf die Erde und sie wurde erfüllt von seinem Geist und seinem Atem und daraus entstand das Leben in all seinen Formen auf ihr.

Die Menschen bildeten den ersten Kreis um dieses Licht und sie nannten das Mysterium Göttin. In der Mitte des Kreises wuchs der Weltenbaum, als ewiges Zeichen der Verbundenheit zwischen der Erde, allem Leben auf ihr und dem Mysterium.

Da alles eine Stimme hat, entstanden die ersten Worte und aus den Worten wurden Lieder, die von der Schöpfung und dem großen Mysterium sangen. Die Blume verstand den Vogel, der Stein verstand das Wasser, der Mensch verstand die Bäume, Männer und Frauen sangen ihre eigenen und gemeinsamen Lieder, weil alle eine gleiche Sprache hatten. Alles vereinte sich zu dem gemeinsamen Lied als Dank für diese Schöpfung. So entstand der erste Ring der Kraft.

Die Menschen trugen dieses Licht weiter über die Erde und überall entstanden neue Kreise, gewachsen aus der Energie des ersten Kreises. Sie sangen die Lieder und gaben so das Wissen weiter. So setzten sie die Spirale der Kraft in Bewegung.

Die lebendige Erde veränderte die Kontinente und teilte sie. Es entstanden Inseln ohne Verbindung und doch war alles noch ein Lied und ein gemeinsames Verstehen, der erste Kreis verband sie und die Spirale webte mit ihrem Tanz ein unsichtbares Netz, das alles umschloß und über das Verbindung möglich war.

Da begannen sich die Menschen über die Schöpfung zu erheben und verloren ihr gemeinsames Lied, den Bezug zum ersten Kreis, das Wissen um die Einheit. Es begann eine Zeit der Tränen, des Sterbens ohne Wiederkehr, der Ring der Kraft schien zerbrochen, die einzelnen Teile unauffindbar verstreut.

Doch überall gab es Männer und Frauen, die das Licht des ersten Kreises bewahrten, den Ring der Kraft am Leben erhielten und in der Stille weitergaben, an alle, die es sehen wollten.

Ich, eine Erzählerin des ersten Kreises, lade euch ein, wieder in den Kreis einzutreten und Kontakt aufzunehmen mit der Energie, aus der alles entstanden ist.

Willkommen im Kreis, der geboren ist aus dem ersten Kreis. Das große Mysterium und alles was dadurch an Leben entstanden ist, ist nun bei uns. Der Geist der Göttin, Ihre Weisheit und ihre Liebe ist bei uns. Die Ahnen, seit Beginn ersten Kreises sind bei uns. Feuer, Wasser Luft und Erde sind bei uns, alles was lebt und atmet auf dieser Erde ist bei uns. Das Licht der silbernen Mondin, das lebensspendende Gold der Sonne und der Glanz der Sterne erhellt unsere Wege.

Laßt uns beginnen!

Eine neue Geschichte ist entstanden Märchen für Männer und Frauen

Das Märchen vom Lehrerstein
Es war ein mal ein Mann, der sehr viel Wissen wollte. Ihn interessierte, wie alles geschaffen worden ist, wo die Winde herkommen, was das Wasser erzählt, die Sprache der Erde und von allem was auf ihr wächst. Er verstand nicht den Mond und die Sonne auch nicht den Lauf der Sterne.

Die ganze Sehnsucht seines Herzens trieb ihn und so machte er sich auf die Suche nach dem Wissen. Er ging viele Wege, fragte viele Menschen. Niemand wußte es. Er suchte Lehrer, weil er glaubte, die müßten doch alles wissen, aber jeder sagte ihm etwas anderes und viele Lehrer lebten ein Leben, das nicht zu dem paßte, was sie lehrten. Er laß viele Bücher, in verschiedenen Sprachen. Dem armen Mann schwirrte der Kopf über so vielen Worten, Wahrheiten und Lügen. Er war viel Geld losgeworden an die Lehrer und für Bücher und nun besaß er nicht mehr viel. Nirgends fand er das, was er suchte.

So begab er sich wieder allein auf die Suche. Seine Wege führten ihn durch die Weite der Welt. Er sah in die dunkelsten Wälder, die tiefsten Flüsse, die weitesten Meere, er stieg auf die höchsten Berge, kletterte in die endlosen Höhlen. Egal wohin er kam, überall stolperte er über einen Stein und fiel hin. Er fluchte jedesmal und schenkte dem Stein keine Beachtung, ja, er trat mit dem Fuß dagegen, so daß er weit weg flog und tat sich dabei noch am Fuß weh. Es war ja nur ein einfacher, schwerer, dunkelgrauer, schmutziger Feldstein.

Nach langem erfolglosem Suchen begab er sich wieder auf den Heimweg zu seinem Haus. Er war müde und vom vielen Hinfallen tat ihm alles weh. Als er in der Ferne sein Haus wieder sah, war er einerseits froh, wieder nach Hause zu kommen, nach seiner schmerzhaften Reise. Andererseits war er sehr traurig. Er erinnerte sich, daß er ja ausgezogen war, um das Wissen zu finden und er kam nun nach all den Jahren mit leeren Händen, mit brummenden Kopf, ohne Geld  und mit traurigem Herzen  nach Hause.

Beim letzten Schritt über die Schwelle in sein Haus stolperte er erneut und fiel der Länge nach hin. Er sah zu Boden und da war wieder der Stein. Diesmal fluchte er nicht, vielleicht war er aber auch schon zu müde. Er sah ihn sich genau an. Es war wieder dieser unscheinbare Feldstein, der ihn auf seinem ganzen Weg begleitet hat, über den er schon so oft gestolpert war, der ihm schon so viele Schmerzen bereitet hatte. Nun saß er da auf der Erde und betrachtete den Stein zu ersten mal genauer. Er war grau, durchzogen von feinen Linien anderer Farben, er sah gelb, ein dunkles rot, eine weiße Stelle und eine ganz kleine glitzernde Stelle, als der letzte Rest der Abendsonne  auf den Stein fiel. Er hob ihn auf und hielt ihn in der Hand. Der Stein war sehr schwer und kühl. Langsam begann er sich in seiner Hand zu erwärmen, es war, als schmiegte sich dieser große Stein in seine Hand.

Der Mann nahm den Stein mit in sein Haus und legte ihn auf die Fensterbank, da konnte er wenigstens nicht mehr über ihn stolpern. Er sah den Stein im Licht der Sonne und im Lichte des Mondes an. Der Stein blieb, was er war. Er begann mit dem Stein zu sprechen, erzählte ihm Geschichten von seiner Reise durch die Welt, aber der Stein lag einfach nur da, und er wußte nicht, ob er ihm überhaupt zuhörte. Er stellte eine Schüssel mit Hirse, ein paar Blumen, eine Schale mit Wasser zu dem Stein. Aber der Stein wurde weder schöner dadurch, noch wußte der Mann, was es mit diesem Stein auf sich hatte.

So ging es ein Jahr lang. Eines morgens erwachte der Mann, er hatte sehr schlecht geschlafen diese Nacht. Sein ganzer Körper tat ihm weh und sein Blick fiel auf die Fensterbank, er erschrak, der Stein war verschwunden. Er suchte ihn im ganzen Haus und fand ihn nicht. An diesem Abend, als er wieder zu Bett gehen wollte, fand er ihn unter seiner Bettdecke. Deshalb hatte er so schlecht geschlafen, die ganze Nacht lag er auf dem Stein. Er trug den Stein wieder zu seinem Platz. Diesmal setzte er sich davor und begann für den Stein zu singen, er nahm die Rassel und begann für den Stein zu rasseln. Fremde, nie gekannte Worte kamen über seine Lippen, die Rassel erzeugte einen Klang, den er noch nie gehört hatte, sein Körper bewegte sich in einem eigentümlichen Rhythmus zu der Rassel, alt vertraut und doch neu. Aber es gefiel ihm, weil es seinem Herzen Ruhe gab und seine Seele sich öffnete.
Plötzlich vernahm er ein leichtes Summen und Vibrieren. Er sah zu dem Stein und erschrak erneut. Er veränderte sich, er bewegte sich auch so, als wenn er tanzen würde. Im Licht des Vollmondes veränderte er die Farbe, wurde bunt, teilweise durchsichtig und begann zu strahlen. Der Mann sang weiter und war fasziniert davon, was mit dem Stein geschah. Plötzlich hörte er eine zweite Stimme singen und er wußte, daß diese von dem Stein kam. So erzählte ihm der Stein nun seine Geschichte, er war so alt wie die Erde, wußte von ihrer Entstehung und von allem, was seither geschah. Er sang von den Winden und Wassern, der Sonne und dem Mond und von den fernen Sternen, wo seine Brüder und Schwestern lebten. Gemeinsam sangen sie das Lied der Schöpfung und der Weisheit.


Nun verstand der Mann und er konnte aus dem Wissen schöpfen.


meine Gedichte


Da
wo ich
an Grenzen stoße
auf der Schwelle stehe
zu neuen Räumen
alte Muster verlasse
da steht SIE
und lächelt
vielsagend
fragend
fern jeder Benennung
und wissend
um die Schwierigkeit
der Begriffe und Worte
um zu erklären
was sein mit IHR
so einfach macht
weil nichts trennt.
Der Kreis
hat sich geschlossen.
Der Anfang
wird zum Ende
ein neuer Anfang
so ist der Zyklus
genannt Leben.
Lichtmeß
Auf der Schwelle
noch nicht ganz
hier
im jungen Licht
aber auch nicht mehr
dort
wo Dunkelheit mich hütete
im Schoß der Mater-ie.
Ge-bären aus Höhlen
mit eigener Kraft
kreisend eintreten
in den Lauf der Zeit
beginne ich den Tanz.
meine Arbeit
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